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Geschichtlicher Rundgang durch Drackendorf

Der Ort mit 645 Einwohnern (2004), seit 1994 eingemeindet zur Stadt Jena, liegt in einem kleinen Seitental des Saaletales unterhalb der Ruine der Lobdeburg.
Seine Gründung steht im Zusammenhang mit der deutschen Besiedlung der Gegend. 1280 wurde" Trackendorf" erstmalig in einer Urkunde erwähnt.
Um den alten Ortskern herum entstanden in jüngster Zeit ein Einkaufs-zentrum und Eigenheimsiedlungen.

historischer Rundgang

1. Ehemaliges Rittergut (Unterer Hof)

Der so genannte Niederhof auf der linken Seite des Hungerbaches war einer der beiden Edelhöfe, aus denen der Ort Drackendorf hervorging. Er befand sich von 1199 bis 1591 im Besitz der weit verzweigten Familie Puster, die als Lehnsleute der Grafen von Lobdeburg, später der sächsischen Herzöge, in der Umgebung herrschten. Der Hof, später als Rittergut bezeichnet, wurde mehrfach verkauft, zuletzt 1716 an August von Griesheim, von da an vererbt bis 1945 im Besitz der Adelsfamilien von Ziegesar, von Helldorff, von Perponcher-Sedlnitzky und von der Lancken-Wakenitz, deren Wappen am ehemaligen Inspektorhaus angebracht sind. Zum Gut gehörten etwa 750 ha Land. Der Gerichtshoheit des Ritterguts waren die Dorfschaften Drackendorf, Ilmnitz, Neue Schenke, Zöllnitz, Laasdorf, Wöllnitz und Rutha unterstellt. 1945 wurde das Gut im Zuge der Bodenreform enteignet und aufgelöst, 1949 das Gutshaus trotz seiner kulturhistorischen Bedeutung abgerissen.

2. Dorfquelle und ihre Bedeutung

Neben dem Hungerbach war die im Keller des ehemaligen Kornspeichers (heute Schafberg Nr. 4, Das Haus 1 der Pension “Berghof”) entspringende Quelle für die Wasserversorgung des Dorfes wichtig. Sie entwässert in den Feuerlöschteich und fließt dann unterirdisch weiter in die Teiche im südlichen Teil des Parkes.

3. Ehemaliger Schafstall des Rittergutes

An der Straße nach dem Nachbarort Ilmnitz stand von 1882 bis 1997 ein großer Stall für 500 Schafe aus massivem Sandstein- Mauerwerk, mit einem Fachwerk-Aufbau und einem Krüppelwalmdach. Die Viehhaltung ist ebenso wie die Feldwirtschaft nach 1990 um Drackendorf aufgegeben worden mit Ausnahme einer kleineren Schafherde am Ortsende (Langer Grund).

4. Friedens-Linde

Die Friedenslinde wurde 1871 auf dem Schafberg gepflanzt. Der weitere Dorfrundgang führt einen Rasenweg hinunter mit Ausblick auf den Südhang der Lobdeburg.

5. Eiskeller

Der Eiskeller befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes. Er war Lagerraum für das aus dem Dorf teich gewonnene Eis. Heute halten sich dort Fledermäuse auf.

6. Dorfschule (Neues Schulhaus)

In der einklassigen Dorfschule von 1913 wurden die Kinder aus Drackendorf, Ilmnitz und der Neuen Schenke unterrichtet. Die im Anbau eingerichtete Heimatstube enthält Sammlungen zur Ortsgeschichte, zusammengetragen von Kurt Voigt.

7. Alter Handelsweg

In Ortsmitte (Briefkasten) sind Orientierungstafeln zum Wandergebiet und zum Dorfrundgang aufgestellt. Die ehemalige Handelsstraße ist die Ursache für die Anlage des Ortes als deutsches Straßendorf. Sie führte aus Nürnberg über Saalfeld, Kahla, Maua, Burgau, Lobeda durch den Drackendorfer Langen Grund nach Burgrabis, Bürgel, Naumburg in den Leipziger Raum. Sie wurde aber noch bis in die Zeit der Napoleonischen Kriege für Militärdurchmärsche benutzt.

8. Ehemaliges Rittergut (Oberer Hof)

Vom Oberhof ist nichts mehr erhalten. Dieser Edelsitz, ursprünglich ein Vorwerk der Lobdeburg, befand sich im Besitz der Familie Puster. Er wurde 1525 durch aufständische Bauern zerstört und nicht wieder aufgebaut. 1525 wurden 10 Bauern aus Drackendorf und Ilmnitz in Jena enthauptet.

9. Kriegerdenkmal


Das Kriegerdenkmal erinnert an die Gefallenen Drackendorfer beider Weltkriege.

10. Luther-Eiche

Der Baum wurde anlässlich des 400. Geburtstag (1883) des Reformators vor dem Pfarrhaus gepflanzt.

11. Altes Pfarrhaus

Bis 1550 wurde Drackendorf von Lobeda aus kirchlich betreut, danach bildete es eine eigene Parochie, zu der auch Ilmnitz, die Neue Schenke und als Filial Zöllnitz gehörten. In seiner jetzigen Gestalt stammt der Fachwerkbau aus dem Jahre 1728.

12. Dorfschule (Altes Schulhaus)

Die alte Dorfschule (von 1755) ist heute zu einem Wohnhaus umgebaut und deshalb als solche nicht mehr zu erkennen. Der Schullehrer unterrichtete in einer Klasse die Kinder aus Drackendorf, Ilmnitz und der Neuen Schenke; 1887 waren das 42 Schüler. Die Lehrer wurden schlecht bezahlt und mussten sich durch eigene Landwirtschaft mit ernähren.

13. Auferstehungskirche

Der Chor der Dorfkirche ist im gotischen Stil errichtet; 1653-1656 wurden Langhaus und Turm neu aufgebaut. Im Inneren enthält die Kirche interessante Sandstein-Epitaphien zweier Pfarrer und weiblicher Angehöriger der Gutsbesitzerfamilie von Griesheim.

14. Friedhof

Nördlich der Kirche befinden sich die schlichten Gräber der Drackendorfer Gutsherren von Ziegesar und von Helldorff aus dem 19. Jahrhundert. August Friedrich Carl von Ziegesar (1746-1813) war ein bedeutender Beamter am Hofe von Sachsen-Gotha-Altenburg. Bekannt ist er als Freund und Gastgeber Goethes sowie als Mitgestalter des Drackendorfer Parks. Meist im Zusammenhang mit seinen häufigen Aufenthalten in Jena zog es Goethe über 30-mal zu Ziegesars nach Drackendorf. An seine Freundschaft mit der jungen Silvie von Ziegesar erinnern Gedenktafeln am Kirchenanbau.

15. Drackendorfer Park

Der ehemalige Gutspark, 1745 im englischen Stil errichtet, ist heute das Kleinod von Drackendorf. Im Sommer finden dort Chorsingen und Konzerte statt.

16. Römisches Haus (Pavillon)

Inspiriert von einer Reise nach Italien, ließ Frau Clara von Helldorff 1854 den "Salon" im italienischen Stil errichten, mit einem Springbrunnen davor. Das Gebäude, auch "Teehaus" genannt, ist heute immer noch ohne eigentliche Funktion.

17. Hungergraben

Der parallel zur Dorfstraße verlaufende, teilweise verrohrte Hungergraben führt unregelmäßig Wasser und trocknet in heißen Sommern ganz aus. Seine Quelle liegt am Talende im Langen Grund; im Gebiet von Lobeda fließt er verrohrt weiter und am ehemaligen Umspannwerk Lobeda-West in die Saale.


Zum Jubiläum "725 Jahre Drackendorf" wurde eine Dorfchronik erstellt.

Heimatstube Drackendorf Leiter Kurt Voigt Telefon 0 36 41/33 25 54 geöffnet Do, Sa, So 14 - 16 Uhr (im Plan Nr. 6)

Idee und Realisierung des Rundganges:
Bemd Adelski, 2005 Herausgegeben vom Drackendorfer Heimatverein e.V. 2005

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